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Mathematik-Online-Kurs: Lineare Algebra - Normalformen - Singulärwertzerlegung

Pseudo-Inverse


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Mit der Singulärwert-Zerlegung $ USV^*$ einer komplexen $ (m\times n)$-Matrix $ A$ lässt sich die Lösung des Ausgleichsproblems $ \vert Ax-b\vert\to\min$ mit minimaler Norm in der Form

$\displaystyle x = A^+b,\quad A^+ = VS^+U^*,
$

schreiben, wobei $ A^+$ als Pseudo-Inverse von $ A$ bezeichnet wird, und

$\displaystyle S^+ =
\operatorname{diag}(1/s_1,\ldots,1/s_k,0,\ldots,0),
\quad k = \operatorname{Rang} A
\,,
$

die $ (n \times m)$-Diagonalmatrix mit den Kehrwerten der positiven singulären Werte ist.

Bezeichnen $ \{u_1,\ldots,u_m\}$ und $ \{v_1,\ldots,v_n\}$ die orthonormalen Basen aus den Spalten von $ U$ bzw. $ V$, so lässt sich die lineare Abbildung $ b\mapsto x= A^+b$ in der faktorisierten Form

$\displaystyle x = \sum_{\ell=1}^k \frac{1}{s_\ell}\,(u^*_\ell b)v_\ell
$

darstellen. Daraus folgt insbesondere, dass

$\displaystyle \operatorname{Kern}A^+ = \operatorname{span}
\{u_{k+1},\ldots,u_m\},\quad
\operatorname{Bild}A^+ = \operatorname{span}
\{v_1,\ldots,v_k\}
$

und $ \Vert A^+\Vert _2 = 1/s_k$.
(Autoren: App/Höllig)

Wegen der Invarianz der $ 2$-Norm unter unitären Transformationen kann man $ Ax-b$ von links mit $ U^*$ multiplizieren. Mit

$\displaystyle c=U^* b,\quad y=V^* x
$

ergibt sich das äquivalente Minimierungsproblem

$\displaystyle \vert Sy-c\vert =
\left\vert \left( \begin{array}{c}
s_1y_1-c_1 \...
...y_k-c_k \\ -c_{k+1} \\ \vdots \\ -c_m
\end{array} \right) \right\vert
\to\min.
$

Das Minimum erhält man durch Lösung der ersten $ k$ Gleichungen:

$\displaystyle y_i=c_i/s_i,\ i=1,\ldots\,k\,
.
$

Wegen der Normtreue der unitären Matrix $ V$ $ (\vert x\vert = \vert y\vert)$ ist für die Lösung minimaler Norm

$\displaystyle y_{k+1}=\cdots=y_n=0\,
.
$

Insgesamt folgt

\begin{displaymath}
y = S^+c,\quad
s^+_{i,j} =
\begin{cases}
1/s_i &
\text{f\uml ur}\ i=j\le k \\
0& \text{sonst .}
\end{cases}\end{displaymath}

(Autoren: App/Höllig)

Es soll das Ausgleichproblem für

$\displaystyle A =
\left(\begin{array}{rrr}
2 & -4 & 5 \\ 6 & 0 & 3 \\
2 & -4 &...
...right),\quad
b =
\left(\begin{array}{r}
1 \\ 3 \\ -1 \\ 3
\end{array}\right)\,
$

gelöst werden.

Zur Berechnung der Singulärwert-Zerlegung bestimmt man zunächst die Eigenwerte und Eigenvektoren von

$\displaystyle A^{\operatorname t}A =
\left(\begin{array}{rrr}
80 & -16 & 56 \\ -16 & 32 & -40
\\ 56 & -40 & 68
\end{array}\right)
$

und erhält

$\displaystyle s_1^2 = 144,\, s_2^2 = 36,\, s_3^2=0,\quad
V = \frac{1}{3}
\left(\begin{array}{rrr}
2 & 2 & -1 \\ -1 & 2 & 2 \\ 2 & -1 & 2
\end{array}\right)\,
.
$

Daraus folgt

$\displaystyle S =
\left(\begin{array}{rrr}
12 & 0 & 0 \\ 0 & 6 & 0 \\
0 & 0 & ...
... & -3 & 0 \\ 6 & 3 & 0 \\
6 & -3 & 0 \\ 6 & 3 & 0
\end{array}\right)
= US\,
.
$

Die ersten zwei Spalten von $ U$ erhält man durch Division der entsprechenden Spalten von $ AV$ durch die singulären Werte (dabei müssen Einheitsvektoren entstehen), die restlichen Spalten (nicht eindeutig bestimmt) durch Ergänzen zu einer orthonormalen Basis:

$\displaystyle U = \frac{1}{2}
\left(\begin{array}{rrrr}
1 & -1 & -1 & 1 \\ 1 & 1 & -1 & -1 \\
1 & -1 & 1 & -1 \\ 1 & 1 & 1 & 1
\end{array}\right).
$

Damit ist die Pseudo-Inverse

$\displaystyle A^+ =
V \left(\begin{array}{cccc}
\frac{1}{12} & 0 & 0 & 0 \\
0 ...
...{rrrr}
-2 & 6 & -2 & 6 \\ -5 & 3 & -5 & 3 \\
4 & 0 & 4 & 0
\end{array}\right)
$

und

$\displaystyle x = A^+b =
\frac{1}{4}\left(\begin{array}{c}
2 \\ 1 \\ 0\end{array}\right)
$

die Lösung minimaler Norm.
(Autoren: App/Höllig)

Zur Kontrolle topographischer Höhendaten $ h_i$ werden Höhendifferenzen $ d_{i,j}$ gemessen. Aufgrund von Messfehlern gilt in der Regel $ d_{i,j}\neq
h_i-h_j$. Geeignete Höhenkorrekturen $ x_i$ lassen sich durch Lösen des Ausgleichsproblems

$\displaystyle \sum_{(i,j)}\Big(d_{i,j}-\big( (h_i+x_i)-(h_j+x_j) \big) \Big)^2
\longrightarrow \min \; .
$

Zur Illustration der Vorgehensweise wird ein Modellproblem mit wenigen Daten gelöst.

\includegraphics[width=.7\linewidth]{topo.eps}
Für die Höhen und Differenzwerte

$\displaystyle h=(834, 561, 207, 9)^{\operatorname t}, \quad d=(276, 631, 822, 356, 549)^{\operatorname t}
$

mit $ d=(d_{1,2}, d_{1,3}, d_{1,4}, d_{2,3}, d_{2,4})^{\operatorname t}$, erhält man das überbestimmte System

$\displaystyle A(h+x)=d, \quad A=
\left(\begin{array}{rrrr} 1 & -1 & 0 & 0 \\ 1...
... 0 \\ 1 & 0 & 0 & -1
\\ 0 & 1 & -1 & 0 \\ 0 & 1 & 0 & -1 \end{array} \right).
$

Die gesuchte Lösung minimaler Norm ist dann

$\displaystyle x = A^+ (d - Ah) = \left( \begin{array}{c} 1 \\ -1 \\ -3 \\ 3 \end{array} \right).
$

Die Berechnung der Minimum-Norm-Lösung ist für die betrachtete Anwendung sinnvoll, denn es soll eine möglichst kleine Korrektur bestimmt werden.
(Autor: Wipper)

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  automatisch erstellt am 23.5.2011